Poetry

Bozen geht mir ganz schön… auf die Ohren. 

Es ist Samstag, so etwa 6 Uhr dreißig, ein wenig könnte man ja noch schlafen, so bis gegen 10, schließlich habe ich ja heute frei. Wochenend und Sonnenschein und bald mit meinem Schatz allein – oh nein, weit gefehlt. Es geht schon los. Sie sind wach, die Bauarbeiter unterm Haus. Sie müssen sich beeilen, der Klotz so schnell entstehen, also ran an die Arbeit, den Betonrüttler angeschmissen, der ruhige Samstagmorgen ist ver… na, ihr wisst schon. 

An Schlaf ist nicht mehr zu denken, die Busfahrer lenken unter lautem Stänkern ihre Trümmer durch die Straße, hupen die Menschen auf den Gehweg, der zur Bar führt, wo man sich laut Cappuccino e Brioche bestellt. Duft dringt hinauf in den 6. Stock. Ein Croissant, ja, das wär jetzt nicht schlecht, da klirrt schon die Tasse, ein paar Männer grölen “Tor!”, als seien sie im Stadion und nicht dort, wo die Leute eigentlich noch schliefen, wenn sie nur könnten. 

Es ist gegen halb 10, Zeit, an die frische Sommerluft zu gehen. Dreißig Grad schon jetzt, der frische Teer flimmert, klebt unter den Sandalen, die sich mit Straßenstaub bedecken. Ich verlasse die Hard-Sound-Zone, begebe mich hinein ins Gequirl der Menschen, die sich am Platz so gerne versammeln. Der dicke Neapolitaner sitzt auf dem Stuhl vor der Bar, spricht lautstark mit der Konkurrenz, verhandelt wird um den Preis, während die Nonna beim Brötchenrichten hinter der Theke schwitzt.  

Eine Frau schwenkt mit ihrem roten Fähnchen, ruft in die Menge, man möge ihr folgen: “Dames en heren, komt u alstublieft naar mij toe. Aan uw rechterkant ziet u de Dom van Bozen!” Die großen hellhaarigen Dames en Heren staunen, als sie den Dom entdecken – für die Menschen, die an ihrem Rudel vorbeimüssen, scheint aber kein Platz übrig zu sein. 

“Schatz, mir müsset jetzt aber dringend unter die Laube, net, dass der Ötzi zumacht!”, befiehlt eine besorgte Schwäbin ihrem Mann, der am Stock mir beinahe, wenn auch nicht gewollt, ein Bein stellt und dabei selbst beinahe in den Hundehaufen tritt, den der Chihuahua der italienischen Mylady in ihren 12er-Absätzen-Pumps gerade neben dem Handtaschengeschäft hinterlassen hat. 

“Scheisseblechle!”, ruft der Mann verärgert und will sich säubern, da kommt ein Kind des Weges, plärrend an der Hand der Omama. “Ma amore, perché piangi?”, fragt sie besorgt und will das Kind trösten, doch nichts zu machen, die Kugel Stracciatella hat der Chihuahua bereits verputzt. 

Ich muss weiter, wollte doch nur noch kurz zur Bank – eine Schlange empfängt mich vor dem Automaten. Der Herr aus Österreich knurrt, “So an Schaaß, ists denn die Meglichkeit – das Hotel kost ja mehr als bei uns im Weanerwald!”

Ich suche den Weg aus der Stadt, will ein wenig flüchten, vor all den Geräuschen und Gerüchen. Auf dem Weg zur Seilbahn die Müllabfuhr, die die Straße verstopft, ausgerechnet der Biomüll, denke ich naserümpfend und höchst unentzückt. Ich bahne mir schließlich den Weg zur Gondel, werde dabei fast überfahren, kann mich aber doch noch retten – und komme schließlich an. Die Kabine ist voll, ich finde ein Plätzchen, inmitten der anderen. 

Und schon stimmen sie an, gemeinsam im schrägen Chor, und singen mir vor… ein Trinklied aus Bayern, das wars mit der Ruh! 

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