Anfang
Wie wärs wenn wir einfach nochmal von vorne starten. Ich meine nicht von heute Morgen, auch nicht von letzter Woche, ich meine, so richtig von vorne.
Wie wärs, wenn wir beim Urknall anfingen? So vor vierzehn Billionen Jahren, ist ein Weilchen her, aber vielleicht gelingts ja, wir können inzwischen doch so vieles – dank KI. Uns selbst verarschen, uns in Kriegen töten, unsere Kinder verhungern lassen, damit das Geld in die reichen Kassen fließt. Wir können Raketen bauen, den Mars bewandern, in die Tiefe tauchen. Wir können Filme drehen, uns selbst zerstören, uns einbilden, uns einreden, wir seien niemals gut genug, zu dünn, zu dick, zu dumm, zu intelligent, zu Hartz 4, zu reich. Immer höher, immer schneller, immer weiter, immer doller – da muss doch eine Zeitmaschine drin sein, die uns auf Anfang beamt.
Vierzehn Billionen Jahre ist das her, da bestand die Erde einfach nur aus sich selbst. Dann kamen sie, die komischen Kriechtiere, dann die Dinos, irgendwann wars aus die Maus. Der Mensch kam dazu, ein wenig gebeugt, dann ging er aufrecht, und lernte dazu. Homo sapiens, wenn er doch bloß wüsste.
Der Mensch lernte, er wurde klüger. Entwicklung, bis zum heutigen Status. Whatsapp-Status. Was wären wir ohne unseren ständigen Begleiter, dieses weltweite Netz, in dem wir gefangen sind, ohne das so gar nichts mehr geht. Wir suchen, wir googeln, wir swipen, wir twittern, wir posten. Ab und zu mal das Handy abwischen, so viele Abdrücke drauf. Co2 in der Luft, unser Abdruck macht das kaputt, was so schön begonnen hatte.
Und wenn noch mal alles begänne? Wenn ich das Rad einfach zurückdrehte? So mal schnell den Zeiger auf Null? Säß ich dann trotzdem hier und würde mir wünschen, dass wir es besser gemacht, getan, gehabt, gewollt, ge- ach was, wer weiß schon, was wäre wenn.
Zurück geht nicht, das ist mir bewusst. Wir habens eh verkackt, oder vielleicht doch noch eine Chance? Können wir es besser? Ich wills versuchen. Ich will einen Abdruck hinterlassen. Mit Worten, mit Sätzen, mit Absätzen, mit Kapiteln, mit Büchern etwas hinterlassen.
Und wenns vielleicht in hundert Jahren einer liest, und sich fragt, ob er das Rad wieder zurückdreht. Lass dir gesagt sein: NEIN! Es geht eben nicht. Also jemand, sei so gut, schau nicht zurück. Du hast keine vierzehn Billionen Jahre mehr. Vielleicht hast du ja nur einen Tag. Geh nicht zurück auf Anfang – sondern arbeite an der Zukunft, damit du dich auf das freuen kannst, was ihm gegenübersteht:
Das
Und ja, es muss sein
Unumgänglich, aber dann vielleicht fein.
Es steht uns allen bevor, irgendwann jedenfalls:
Ende.


