Bitte bleib noch ein bisschen
Bitte bleib noch ein bisschen. Ich bin noch nicht so weit, ich bin noch nicht groß genug, du kannst jetzt noch nicht gehen.
Bitte bleib noch ein bisschen, ich brauche dich, auch wenn ich schon auf eignen Füßen steh. Da war dieser Moment, vor kurzem, vor unsrer Haustüre.
Du und ich und die stille Straße im Regen. Du magst das Plätzchen mitten im Nest, das du für uns gebaut hast, mit eigener Müh und Kraft.
Ich seh dich immer öfter dort, du schaust hinaus, ins Leere, in die Gegend, es sieht aus, als sähest du nichts. Ich weiß, du wartest dort, an deinem Plätzchen, auf irgendwas.
Es scheint, als seist du nicht bei dir. Ich habe mich zu dir gesetzt, hab meine Hand auf dein Knie gelegt.
Du hast sie genommen, gehalten, schweigsam, gestreichelt, mit deiner kühlen, weichen Hand, die so viel geschuftet hat.
Eine Hand, die schützende Mauern aufgebaut und gegen Windmühlen gekämpft hat. Du hast leise mit mir gesprochen, so laut es eben ging.
Mit einer Stimme, die früher so kräftig war, die Reden gehalten und mir das Sprechen beibrachte. Du hast mit deinen Beinen gewippt, apathisch, so scheint es, dabei wollen sie einfach nur gehen.
Beine, mit denen du mir früher die Welt gezeigt hast und von der ich dank dir weiß, dass sie gar nicht so schlecht ist, wie viele behaupten.
Bitte bleib noch ein bisschen, so lange du noch kannst. Ich schaffs einfach nicht ohne dich, noch nicht, gib mir noch ein bisschen Zeit, bis ich den Lauf der Dinge akzeptieren kann.
Bitte bleib noch ein wenig an deiner hölzernen Haustür sitzen, damit ich zu deinen Füßen noch ein wenig halten kann deine kühle, weiche Hand.
Ich weiß, es lässt sich nicht aufhalten
So ist es eben, dieses Leben.
Doch wenn ich könnte, wenn ich dürfte,
Würd ich dir davon ein ewiges geben.


