Projekt FlowerPower: „Ich war halt ein Mädchen!“
Heute erzählt uns Frauenschuh eine Geschichte aus den 1960ern über Mädchen, die im Haushalt arbeiteten, während die jungen Männer auf Brautschau gingen.
„Es geschah auf dem Hof meiner Eltern. Da gab es auf dem Hof einen Knecht, nennen wir ihn Max. Wie alle Knechte musste er viele Arbeiten verrichten, unter anderem auf den Wiesen beim Mähen, Heuwenden und beim Einbringen des Futters für die Tiere mithelfen. Auch wir Mädchen und meine Brüder mussten fleißig mitarbeiten. In der unterrichtsfreien Zeit begann die Arbeit schon am Vormittag und dauerte bis zum Mittagessen.
Das Mittagessen nahmen alle gemeinsam ein. Danach hatten die Männer und Buben bis etwa 14 Uhr „Rastzeit“. Wir Mädchen mussten natürlich noch den Tisch abräumen, den Abwasch erledigen und den Boden fegen. Wenn dann noch Zeit blieb, konnten wir diese verbliebenen Minuten selbst gestalten. Ich verstand nie, warum nur wir Mädchen im Haushalt helfen mussten. Beanstandete man das, bekam man nur die Antwort, die Buben und Männer hätten die schwerere Arbeit gehabt, und es stünde ihnen eine Pause zum Ausruhen zu.
Mit diesem Umstand fand ich mich wohl oder übel ab. Aber es gibt Dinge, die ich zwar nach all diesen Jahren verziehen habe, vergessen werde ich sie jedoch nie. Wenn unsere Eltern manchmal in der Stadt etwas zu erledigen hatten und wir an manchen Vormittagen allein mit Knecht Max auf den Feldern oder Wiesen arbeiten mussten – unser Vater wusste immer eine Arbeit, die zu verrichten war –, wurden wir bei der kleinsten Kleinigkeit, die unserem Knecht nicht passte, geschlagen. Unseren Eltern getrauten wir uns nicht, etwas zu erzählen, weil er es uns verboten hatte.
Auch die Stallarbeit war Mädchenarbeit. Die Buben durften ausgehen. Sie sollten sich ja eine Frau suchen. Wir Mädchen sollten zu Hause warten, bis ein möglicher Heiratskandidat zufällig auftauchte. Wie hatte ich das satt. Ich wollte doch keinen Heiratskandidaten, ich wollte doch auch ausgehen, zum Tanzen fortgehen oder einfach nur Spaß haben.
Aber ich war ja ein Mädchen. Das sollte brav sein, Hausmütterchen spielen, folgsam sein und handarbeiten. Alles, was sonst so Spaß machte, war den männlichen Geschöpfen vorbehalten. Und wenn ein Mädchen aus unserer Familie auf den Kirchtag in der Nähe gehen wollte, musste es für den Vater ein Paar Socken stricken. Aber bitte nicht sonntags, wenn der Pfarrer auf Besuch kam, denn dann musste die Handarbeit sofort unter dem Tisch verschwinden, weil am Sonntag, dem Tag des Herrn, Arbeiten verboten waren – aber das ist eine andere Geschichte.”


