Projekt FlowerPower: “Plötzlich stand sein Name unter meiner Studie!”
Die heutige Geschichte hat mir Kornblume erzählt. Es geht um eine Studie, die ihr Vorgesetzter erst verstauben ließ und derer er sich dann schlussendlich auch noch bediente, in dem er sie unter dem eigenen Namen veröffentlichte.
„Mein Vorgesetzter hatte mir den Auftrag gegeben, eine Studie über den Gender Pay Gap, also die Unterschiede in der Entlohnung und die Verteilung Vollzeit und Teilzeitarbeit zwischen den Geschlechtern auszuarbeiten. Es war eine Riesenarbeit, all die Daten auszuwerten und zusammenzustellen, Grafiken zu erstellen und ein übersichtliches Dokument vorzulegen. Gleichzeitig hat mich die Tatsache, dass Frauen immer noch weniger als Männer verdienen, obwohl sie die gleiche Arbeit machen, wütend gemacht.
Nachdem ich die Studie abgeschlossen und meinem Vorgesetzten überreicht hatte, passierte erstmal: Gar nichts. Das Dokument lag auf seinem Schreibtisch herum und setzte Staub an. Monate vergingen, dann endlich nahm er es zur Hand und veröffentlichte es – unter seinem eigenen Namen! Ich wurde gerade einmal als Co-Autorin genannt, dabei hatte ich die gesamte Arbeit gemacht und er selbst fast nichts ausgebessert. Das selbe machte er mit der Pressemitteilung. Ich habe seinen Namen gelöscht und mir selbst eine neue Arbeit gesucht.“
Zum Thema Teilzeitarbeit in Südtirol hier ein kleiner Einblick in Kornblumes Studie:
2024 waren in Südtirol durchschnittlich 230.120 Personen lohnabhängig beschäftigt. Rund 76 % arbeiteten in der Privatwirtschaft, 24 % im öffentlichen Sektor. Die Daten zeigen eine weiterhin deutliche geschlechtsspezifische Trennung der Wirtschaftsbereiche: Produzierende Sektoren sind stark männlich geprägt, Dienstleistungsbereiche überwiegend weiblich.
- im Baugewerbe liegt der Männeranteil bei 89 %
- im Verarbeitenden Gewerbe sind 79 % Männer beschäftigt, in der Landwirtschaft 63 %
- umgekehrt ist das Gesundheitswesen mit 79 % Frauen der „weiblichste“ Bereich, gefolgt von Bildung (78 %) und öffentlicher Verwaltung (66 %)
- der Handel ist der einzige größere Sektor mit einer annähernd ausgeglichenen Geschlechterverteilung
Auch bei der Teilzeitbeschäftigung zeigen sich klare Unterschiede:
Während nur 11 % der Männer in Teilzeit arbeiten, betrifft dies 48 % der Frauen, sprich: fast die Hälfte. Insgesamt entfallen 80 % aller Teilzeitstellen auf Frauen, nur 20 % auf Männer. Besonders hoch ist die Teilzeitquote im Gesundheitswesen (48 %), besonders niedrig im Baugewerbe (9 %).
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Altersstruktur der Beschäftigten. Insgesamt ist die Gruppe der über 50-Jährigen zahlenmäßig größer als jene der unter 30-Jährigen.
- die öffentliche Verwaltung weist mit einem Durchschnittsalter von 49,05 Jahren die älteste Belegschaft auf; 57 % sind dort über 50 Jahre alt.
- das Gastgewerbe ist mit einem Durchschnittsalter von 38,9 Jahren der jüngste Sektor; 31 % der Beschäftigten sind unter 30.
Ein paar Fragen zum Weiterdenken:
Noch immer sind es meistens die Frauen, die nach der Geburt des Kindes in Teilzeit arbeiten. Könnte man sich diese Aufgabe nicht mit dem Partner teilen?
Warum trauen sich so wenige Frauen, einen Job in der Baubranche anzunehmen? Liegt die Ursache dafür in unserer Gesellschaft, die Frauen diese Berufsart nicht zutrauen?
Was bedeutet diese ungleiche Verteilung für unsere Zukunft?


