Das feministische Greenhorn

Projekt FlowerPower: “Du wirst eh nicht lang bleiben!”

In der heutigen Folge erzählt uns Stiefmütterchen von einer Szene, die sich in ihrem Büro abgespielt hat – eine Stichelei, mit der sicherlich schon so einige von uns Blumen konfrontiert wurden.

“Ich arbeite seit einigen Jahren in einem größeren Betrieb. Seit Beginn an wurde mir gesagt, dass ich vermutlich nicht lange bleiben würde. Verwirrt fragte ich: “Warum denn?” Ich war gerade erst dabei mich in der Arbeit einzuleben und konnte bisher nicht einschätzen, ob es für mich einfach ein Versuch oder etwas Langfristiges sein würde. “Naja, du bist im gefährlichen Alter.” Es wurde nicht offen ausgesprochen, aber die Botschaft zwischen den Zeilen war klar: Auf mich als Frau konnte man nicht langfristig zählen, denn ich konnte schwanger werden. Ich tat die Aussage mit einem Lachen ab, wie sollte ich auch darauf reagieren?

Als ich in einem Zeitraum einige Tage später zur Arbeit kam, weil ich einige Arztvisiten machen musste, wurde sofort vermutet, dass ich schwanger sei. Immer mit einem Lächeln, was dem Ganzem die Spitze nahm, aber einen wunden Punkt in mir berührte.

War ich als Frau, als Arbeitskraft, weniger wert, weil ich Kinder gebären konnte? Zudem fand ich die Aussagen aus menschlicher Sicht grenzwertig. Niemand weiß, was hinter geschlossenen Türen geschieht, ob es unerfüllten Kinderwunsch oder gar schon Fehlgeburten gab. Doch wie sagte man dies, ohne jemand vom Kopf zu stoßen, in einer Gesellschaft, in der Frauen gelernt haben, bei unangenehmen Themen mit einem Lachen zu reagieren und bloß niemanden in eine unangenehme Situation zu bringen. Das Schwangerschaftsthema kam immer wieder auf, war als kleine Spitze von der Seite immer präsent. 

Ich weiß noch genau, wie eine Arbeitskollegin von ihrer Mutterschaft zurück zur Arbeit kam und ein Arbeitskollege sie in der ersten Woche mit den Worten begrüßte: “Du wirst vermutlich nicht lange bleiben.” Fragend sahen wir uns an. Warum sollte sie dies nicht? “Naja“ meinte der Kollege, „es kommt sicher bald das zweite Kind.” Ich wusste, wie schwierig es aufgrund mangelnder Kinderbetreuung für sie gewesen war, an den Arbeitsplatz zurückzukommen, und schloss für einen Augenblick die Augen. Sie hingegen lächelte nur höflich.

“Naja, immerhin hat sie dann Zeit noch jemand einzulernen. Wenn z.B. ein Mann kündigt, bleibt meist nicht die nötige Zeit dafür”, erwiderte ich mit einem Augenzwinkern. Er lächelte etwas verunsichert, dann ging er weiter.

Mir blieb diese Begegnung noch lange in Erinnerung. Diese Art von Kommentaren kamen häufig von Männern, die selbst Väter waren. Sie machten diese, ohne länger darüber nachzudenken, mit einer Selbstgefälligkeit, die meist Männer zu eigen war. Wie schön wäre es, wenn Frauen mit ebendieser Selbstgefälligkeit sie auf ihre Grenzen hinweisen könnten, ohne sogleich als schwierig abgestempelt zu werden.”

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