Projekt FlowerPower: Sag mir, wo die Röcke sind!
„Sag mir, wo die Röcke sind, wo sind sie geblieben?“, fragt uns Margerite in ihrem heutigen Beitrag.
Wenn ich diesen Satz denke, meine ich keine Modeerscheinung und auch keinen nostalgischen Blick zurück auf vergangene Zeiten, sondern vielmehr ein Gefühl, das sich über Jahre hinweg langsam in mir entwickelt hat und das ich lange nicht richtig benennen konnte.
In der Mitte meines Lebens begann ich nämlich zunehmend, mich in meiner Kleidung unwohl zu fühlen, genauer gesagt in Hosen, die für mich lange Zeit völlig selbstverständlich gewesen waren. Dieses Unbehagen kam nicht plötzlich, sondern schlich sich leise ein, fast unmerklich, bis ich irgendwann nicht mehr darüber hinwegsehen konnte.
Kleidung hat mich allerdings schon immer interessiert. Bereits als Kind habe ich begonnen, Puppenkleider zu nähen, und später habe ich mich intensiver mit Farben, Schnitten und Stilfragen beschäftigt, unter anderem auch als Farb- und Stilberaterin. Besonders liebe ich Historienfilme, oft nicht einmal wegen der Handlung, sondern wegen der Kostüme, der Stoffe und der Art, wie sich Menschen darin bewegen.
Vielleicht war es also kein Zufall, dass mir irgendwann das Thema begegnete, wie Kleidung auf uns wirkt, nicht nur nach außen, sondern auch nach innen. Ich begann, mich selbst bewusster zu beobachten und stellte mir Fragen, die ich mir früher nie gestellt hatte: Wie fühle ich mich in einem Kleid oder in einem Rock, und wie fühlt es sich im Vergleich dazu an, eine Hose zu tragen?
Dabei bemerkte ich, dass sich in einem Rock etwas veränderte. Meine Bewegungen wurden anders, ruhiger, vielleicht auch bewusster, und ich hatte das Gefühl, meinen Körper auf eine neue Weise wahrzunehmen, aufrechter und gleichzeitig weicher. Es war kein spektakulärer Unterschied, aber ein feiner, der sich mit der Zeit immer deutlicher zeigte.
Diese Erfahrung führte dazu, dass ich begann, über die Bedeutung von Kleidung nachzudenken. Kleidung ist nicht einfach nur eine äußere Hülle, sondern sie beeinflusst, wie wir uns bewegen, wie wir auftreten und auch, wie wir von anderen wahrgenommen werden. Sie kann uns stützen, uns einengen oder uns Raum geben.
Für mich persönlich wurde der Rock dadurch zu einer bewussten Wahl. Nicht als Gegenentwurf zur Hose und auch nicht als neue Regel, sondern als Möglichkeit, mich selbst anders zu erleben.
Gleichzeitig wurde mir immer klarer, dass ich mich nicht festlegen möchte. Ich schätze das Dazwischen, das Spiel mit unterschiedlichen Ausdrucksformen, das Wechseln zwischen weiblich und männlich, zwischen weich und klar. Kleidung darf für mich genau das widerspiegeln.
Auch die Geschichte der Kleidung hat mich in diesem Zusammenhang fasziniert. Das Wort „Weib“ etwa hat seinen Ursprung im Weben, einer Tätigkeit, die über Jahrhunderte hinweg eng mit Frauen verbunden war. Frauen haben Stoffe geschaffen, Muster entworfen und damit nicht nur Kleidung, sondern auch kulturelle Ausdrucksformen geprägt.
Und doch geht es mir nicht darum, daraus eine allgemeingültige Aussage abzuleiten. Es geht nicht darum zu sagen, dass Röcke „richtiger“ sind oder dass Frauen etwas Bestimmtes tragen sollten. Vielmehr geht es um die Frage, ob wir noch spüren, was uns entspricht.
Ein Rock kann für mich ein Gefühl von Weite und Beweglichkeit sein, von einem anderen Zugang zum eigenen Körper. Für jemand anderen mag genau das Gegenteil gelten. Beides ist legitim.
Vielleicht geht es also gar nicht darum, wo die Röcke geblieben sind, sondern darum, ob wir uns selbst in unserer Kleidung wiederfinden. Und vor allem: Ob wir den Mut haben, genau das zu wählen, was sich für uns richtig anfühlt.


