Feministisches Greenhorn RocknRoll
Das feministische Greenhorn

Mutti goes Rock(n Roll)

Eine kleine Anekdote aus dem Nähkästchen meiner lieben Mutter, die schon immer auf wundervolle Art ein wenig keck, frech und manchmal gar etwas aufmüpfig war. Vielleicht hat sie mir diese Eigenschaften, genau wie die vielen Sommersprossen, ja vererbt. 

Es begab sich im Jahre 1970, meine Mutter war gerade einmal 23 Jahre alt und arbeitete bereits als Grundschullehrerin. Als sie von der neuesten Mode, dem Hosenanzug für Damen hörte, kaufte sie sich gleich zwei davon: einen roten und einen blauen. Stolz zog sie einen der Anzüge an und ging damit am kommenden Tag zur Schule und zog die Blicke der (vielleicht bestürzten, vielleicht neidischen?) Kolleginnen auf sich. Was die kleine Constantin sich da wieder traute, unglaublich!

Der Direktor rief sie zu sich. Der Mann, der meiner Mutter loyal gegenüberstand, machte sie darauf aufmerksam, dass das Tragen von Hosen den Frauen in der Schule nicht gerne gesehen sei und forderte sie freundlich, aber bestimmt dazu auf, ab dem nächsten Tag wieder im gewohnten Beinkleid, nämlich einem Rock zu erscheinen. 

Meine Mutter, gewitzt wie eh und je, wandte sich an ihre Freundin und Kollegin. Unterstützung musste her. Und so gingen die beiden jungen Frauen am kommenden Tag im Minirock und mit Kniestrümpfen zur Schule. Minirock, schwer übertrieben, es war eine „Popo-Manschette“, wie man damals zu sagen pflegte. Sagen wir, ein recht breiter Gürtel, der den Allerwertesten meiner Mutter bedeckte. 

Der Direktor versuchte daraufhin, seine Wortwahl zu präzisieren, indem er ihr sagte, dass er es „so nicht gemeint habe“. Meine Mutter aber hatte über Nacht die Gepflogenheiten der Schule revolutioniert: Seit jenem Tag war es allen Kolleginnen gestattet, in Hosen zum Unterricht zu erscheinen. 

Lasst uns versuchen, so zu sein wie Mutti: Mutig genug, besonders zu sein und aus der Reihe zu tanzen – wenn es sein muss, auch im Minirock, damit wir am nächsten Tag wieder die Hosen anhaben dürfen!

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